London brennt!

Weil der königliche Bäcker Thomas Farynor vergessen hatte, in seiner Backstube in der Londoner Pudding Lane das Feuer auszumachen, stand seine Bäckerei am frühen Morgen des 2. September 1666 in Flammen.

Die damalige Bauweise in London begünstigte ein schnelles Ausbreiten des Feuers. Da der Platz innerhalb der Londoner Stadtmauern immer enger wurde, stockten viele Londoner ihre Häuser auf. Jeder neue Stock wurde „überhängend“ auf den darunter liegenden aufgebaut, weshalb sich die Häuser der ohnehin sehr engen Straßen in den oberen Stockwerken deutlich annäherten und dadurch beinahe zusammenstießen. Dadurch, und aufgrund der weit verbreiteten Fachwerkbauweise mit viel Holz und Pech, breitete sich der Brand sehr schnell aus.

„Pish! A woman might piss it out“, schrie der damalige Bürgermeister Sir Thomas Bludworth, als er frühmorgens geweckt wurde und ging prompt wieder zu Bett. Einige Tage später waren 400 Straßen, 13.200 Häuser, 87 Kirchen und einige Stadttore dem Erdboden gleich gemacht. Einzig der Tower konnte gerettet werden, da alle Gebäude im Umkreis sicherheitshalber gesprengt wurden.

Charles II, der damalige englische König, hatte mit einer Herausforderung nach der anderen zu kämpfen. Nach der Rückkehr aus dem Exil suchte 1665 die letzte große Pestepidemie London heim. Zudem befand sich Charles im zweiten holländischen Krieg (1665-1667), wobei die Eroberung der nordamerikanischen Stadt Nieuw Amsterdam als Riesenerfolg gewertet wurde. Zu Ehren seines Bruders, dem Duke of York, wurde die eroberte Stadt unbenannt und unter dem Namen New York bekannt.

Der große Brand von London war somit nur eines von mehreren außergewöhnlichen Ereignissen dieser Zeit. Er war jedoch ausschlaggebend für die Verwendung der Baumaterialien Stein und Ziegel, sowie vor allem für die Vermeidung von weichem Füllmaterial bei Bauvorhaben in großen Städten.

Durch dieses Ereignis entwickelte sich das Risikobewusstsein weiter und machte Versicherungen zu einer nicht mehr wegzudenkenden Einrichtung.

Der nächste Artikel aus unserer Reihe Versicherungsgeschichte mit dem Titel „Von Philosophen, Mathematikern und Königen“ erscheint am 18. 01. 2013.

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